Die Kastration beim Hund ist in Deutschland ein Standardeingriff, der keinen Tierarzt vor eine signifikante Herausforderung stellen sollte. „Standardeingriff“ ist aber nicht mit „risikolos“ oder „ohne Nachteile“ gleichzusetzen: Beides gibt es, wie bei jeder Operation und jedem Verfahren das in die Anatomie eingreift, natürlich auch beim Hund. Antworten auf die Frage: Ab wann kastriert man Hunde?
Inhaltsverzeichnis
- 1 Der Status Quo und gesetzliche Grundlage in Deutschland
- 2 Risiken und Nachteile einer Kastration laut der Studie
- 3 Ab wann kastriert man Hunde? Risikoeinstufung nach Hunderassen
- 3.1 Australian Cattle Dog kastrieren
- 3.2 Australian Shepherd kastrieren
- 3.3 Beagle kastrieren
- 3.4 Berner Sennenhund kastrieren
- 3.5 Saint Bernard / Bernhardiner kastrieren
- 3.6 Border Collie kastrieren
- 3.7 Boston Terrier kastrieren
- 3.8 Boxer kastrieren
- 3.9 Bulldogge kastrieren
- 3.10 Cavalier King Charles Spaniel kastrieren
- 3.11 Chihuahua kastrieren
- 3.12 Cocker Spaniel kastrieren
- 3.13 Collie kastrieren
- 3.14 Corgi kastrieren
- 3.15 Dachshund / Dackel kastrieren
- 3.16 Dobermann / Pinscher kastrieren
- 3.17 English Springer Spaniel kastrieren
- 3.18 Deutscher Schäferhund kastrieren
- 3.19 Golden Retriever kastrieren
- 3.20 Great Dane/Deutsche Dogge kastrieren
- 3.21 Irischer Wolfshund kastrieren
- 3.22 Jack-Russell Terrier kastrieren
- 3.23 Labrador Retriever kastrieren
- 3.24 Malteser kastrieren
- 3.25 Pug / Mops kastrieren
- 3.26 Pomeranian / Zwergspitz kastrieren
- 3.27 Pudel, Pudel (Miniature) und Pudel (Toy) kastrieren
- 3.28 Rottweiler kastrieren
- 3.29 Shetland Sheepdog kastrieren
- 3.30 Shih Tzu kastrieren
- 3.31 West Highland White / Westie kastrieren
- 3.32 Yorkshire Terrier kastrieren
- 3.33 Zwergschnauzer kastrieren
Der Status Quo und gesetzliche Grundlage in Deutschland
Bevor wir einen genauen Blick in eine vielbeachtete Studie aus dem Jahr 2020 werfen, möchten wir die Kastration in Deutschland und international zunächst einordnen. In den USA sind typischerweise rund 65 bis 80 % aller Hunde kastriert, in Deutschland nach einer Studie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover lediglich rund 50 % aller Hunde.
Warum ist das so? Das liegt allen voran am § 6 vom Deutschen Tierschutzgesetz: Dieser Paragraph stellt Kastrationen mit Amputationen gleich, was genau genommen keineswegs falsch ist: Werden die Gebärmutter oder die Hoden entfernt, ist das im medizinischen Sinne eine Amputation eines Organs.
Kastrationen sind daher nur eingeschränkt und ausschließlich nach individueller Entscheidung eines Tierarztes zulässig. Dieser darf, nachdem er die Situation und das Tier beurteilt hat, eine Kastration in folgenden Fällen vornehmen:
- bei einer medizinischen Indikation
- als lebensrettende Maßnahme
- zur Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung
- zur weiteren Nutzung oder Haltung, wenn keine anderen Alternativen in Frage kommen
Die letzten beiden Punkte sind entscheidend: Eine Kastration darf nicht aus Bequemlichkeit durchgeführt werden, weil Hundehalter beispielsweise keine Lust oder Zeit haben, ihren Vierbeiner korrekt zu trainieren oder trainieren zu lassen. Sollten aber signifikante Verhaltensauffälligkeiten bestehen und selbst Hundetrainer keine Lösung mehr anbieten können, darf die Kastration als letztes Mittel zur Verhaltenssteuerung in Frage kommen. Ob danach tatsächlich eine Verbesserung eintritt, ist aber keinesfalls gesichert.
Beurteilung anhand von wissenschaftlichen Studien
Die Kastrationsrate ist international also deutlich höher als in Deutschland, was auf mögliche Nachteile, Risiken und Komplikationen aber keinen entscheidenden Einfluss nimmt. Wie jedes medizinische Verfahren und jede Operation, kann eine Kastration sowohl akute als auch Spätfolgen und weitere Komplikationen haben.
Um die möglichen Nachteile, wenn ein Hund kastriert wird, wissenschaftlich fundiert herauszuarbeiten, orientieren wir uns an einer im Jahr 2020 im tierärztlichen Fachmagazin „Frontiers in Veterinary Science“ veröffentlichen Studie. Die Studie mit dem Titel „Assisting Decision-Making on Age of Neutering for 35 Breeds of Dogs: Associated Joint Disorders, Cancers, and Urinary Incontinence“ wurde von vier Wissenschaftlern im US-Bundesstaat Kalifornien erarbeitet.
Kurz und knapp: Worum geht es in dieser Studie?
- Studien-Teilnehmer: 40.000 Hunde, Studien-Zeitraum 15 Jahre
- untersucht wurden Krankenakten von Hunden aus 35 Hunderassen
- verglichen wurden Risiken nach einer Kastration mit Risikoprofilen bei Tieren ohne Kastration
- ermittelt werden sollte, welche rassespezifischen oder altersbedingten Risiken bei einer Kastration bestehen
- Ziel war außerdem evidenzbasiert zu ermitteln, wann im Falle einer Kastration der bestmögliche Zeitpunkt dafür ist
Warum ist diese Studie wichtig?
Einen Hund kastrieren hat Nachteile: Das gilt umso mehr, wenn die Kastration nicht aus einer medizinischen Notwendigkeit heraus erfolgte. Dann nämlich wäre der Eingriff prinzipiell vermeidbar gewesen, ohne den Eingriff hätten sich auch keine Risiken oder Nachteile manifestiert.
Die Studie greift den aktuellen Status Quo auf und argumentiert, insbesondere im Hinblick auf die weitaus höheren Kastrationsraten in den USA, auf einen vorsichtigeren Umgang mit der Kastration. Insbesondere Folgeerkrankungen wie ein erhöhtes Krebsrisiko, Harninkontinenz und Gelenkerkrankungen stachen dabei hervor – dazu gleich mehr.
So viel bereits vorweg: Die Studie verdeutlicht klar, dass eine Kastration weder ein leichtfertiger noch ein „neutraler“ Eingriff ist. Sie belegt zudem mit Zahlen, dass Faktoren wie die Rasse, das Geschlecht und das Alter (der Kastrationszeitpunkt) entscheidend dafür sind, wie hoch das Risiko für etwaige Nachteile sein kann. Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass insbesondere eine Kastration bei noch sehr jungen Tieren erhebliche Risiken birgt.
Risiken und Nachteile einer Kastration laut der Studie
Die Wissenschaftler stellten, während sie unzählige Krankenakten von Hunden durchforsteten und analysierten, allen voran drei große Risikofaktoren fest – die sich wiederum in verschiedenen Erkrankungen manifestieren können.
- Kreuzbandriss
- Hüftdysplasie
- Ellenbogendysplasie
- allgemeine Gelenkinstabilität
Diese vier Erkrankungen aus der Gruppe der Gelenkerkrankungen treten bei kastrierten Hunden deutlich häufiger auf als bei nicht-kastrierten Tieren. Außerdem multipliziert sich das Risiko noch, wenn der Hund vor dem 6. bis 12. Lebensmonat kastriert wird. Dieser Nachteil liegt also häufig vor, das Risiko wird aber noch weitaus größer, wenn Hunde zu früh im Leben kastriert werden.
Warum ist das so?
Die Kastration hat einen negativen Effekt auf das Wachstum. Das liegt daran, dass verschiedene Sexualhormone wie beispielsweise Testosteron, Östrogen und Progesteron, keinesfalls nur für den Sexualtrieb verantwortlich sind. Diese Hormone haben auch einen Anteil am Skelettwachstum. Bei einer Kastration reduzieren sich diese Sexualhormone, folglich wachsen Knochen langsamer und länger – was zur Instabilität und einer erhöhten Anfälligkeit der Gelenke führt.
- Lymphom
- Hämangiosarkom
- Mastzelltumore
- Mammatumore (bei Hündinnen)
- Osteosarkom (bei einigen großen Hunderassen)
Diese Krebsformen wurden von den Wissenschaftlern genauer unter die Lupe genommen. Dabei zeigt sich erneut, dass eine zu frühe Kastration des Hundes das Risiko merklich (statistisch relevant) steigern kann. Die Wissenschaftler sagen aber auch, dass nicht alle Hunderassen pauschal ein erhöhtes Risiko haben. Besonders bei Großrassen und zu früh kastrierten Tieren stieg das Krebsrisiko aber statistisch an.
Dieser Nachteil einer Kastration ließ sich nur bei Hündinnen feststellen. Nach der Kastration von Hündinnen ist die Wahrscheinlichkeit einer künftigen Harninkontinenz deutlich erhöht, wobei auch hier eine zu frühe Kastration das Risiko weiter steigert. Zudem sind nicht alle Hunderassen von dem Risiko in identischer Ausprägung betroffen.
Die Studie konzentriert sich primär auf Nachteile wie Krebs, Gelenkerkrankungen, Tumore und Inkontinenz, die Wissenschaftler erwähnen aber auch, dass diese weiteren Nachteile zu bedenken sind:
- bei einigen Rassen steigt das Risiko eine Allergie zu entwickeln
- es treten bei kastrierten Hunden mitunter häufiger Hautprobleme auf
- eine Gewichtszunahme aufgrund der Stoffwechselveränderungen ist zu erwarten
Ab wann kastriert man Hunde? Risikoeinstufung nach Hunderassen
Die Studie betrachtet insgesamt 35 Hunderassen einzeln, wovon 3 Pudel sind. Die eben dargestellten Risiken betreffen nicht alle Rassen und falls ja, dann nicht zwingend mit einer identisch hohen Wahrscheinlichkeit. Daher haben wir für Sie nachfolgend einen Überblick vorbereitet, welche Nachteile bei einzelnen Hunderassen statistisch häufiger auftreten. In diesem Fall sollten Sie, als Halter einer solchen Hunderasse, eine sehr genaue Abwägung in Absprache mit Ihrem Tierarzt treffen.
Bei bestimmten Hunderassen hat eine frühe Kastration nicht unbedingt negative Auswirkungen. Das Mindestalter einer frühestmöglichen Kastration liegt bei 6 Monaten. Warum? Insbesondere Hündinnen sollten ihre 1. Läufigkeit hinter sich haben (deswegen 6 Monate + 3), weil die 1. Läufigkeit auch etwas verspätet auftreten kann und abgeklungen sein muss.
Australian Cattle Dog kastrieren
Beim Australian Cattle Dog zeigten sich statistisch überschaubare Risiken. Die potenzielle Risikosteigerung für Gelenkprobleme war bei Rüden generell niedrig, aber deutlich höher bei Hündinnen. Noch höher war der Anstieg von Gelenkerkrankungen (15%) bei Hündinnen, die vor dem 6. Lebensmonat kastriert wurden. Ein signifikanter Anstieg der Krebsrate ließ sich nicht feststellen.
Das bedeutet: Wird ein Australian Cattle Dog kastriert, ist das Risiko überschaubar. Sie sollten aber speziell Hündinnen nicht vor dem sechsten Lebensmonat kastrieren lassen.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Australian Cattle Dog:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Australian Shepherd kastrieren
Weder Rüden noch Hündinnen zeigten einen relevanten Anstieg der Gelenkprobleme nach einer Kastration – das ist schon einmal eine gute Nachricht. Auffällig war aber, dass sich nach der Kastration (im Alter 6-11 Monate, 2-8 Jahren) von Hündinnen das Krebsrisiko deutlich erhöhte (7-8%). Männliche Australian Shepherds können, im weitesten Sinn, bedenkenlos kastriert werden, sofern es nötig ist. Bei Hündinnen sollte der Kastration eine gründliche Überlegung vorausgehen.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Australian Shepherd:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Beagle kastrieren
Beim Beagle war auffällig, dass im Kastrationsalter zwischen dem 6. und 11. Lebensmonat, das Risiko für Gelenkprobleme bei Rüden deutlich anstieg – um den Faktor 7. Eine Kastration von Beagle-Rüden ist daher genau abzuwägen und idealerweise, sofern notwendig, so spät wie möglich durchzuführen. Bei Hündinnen der Beagle-Rasse zeigte sich indes kein erhöhtes Risiko für Gelenkerkrankungen.
Männliche Beagle-Hunde sollten idealerweise niemals vor ihrem 1. Geburtstag kastriert werden. Sie sind stark auf die Sexualhormone und deren Beteiligung am Knochenwachstum angewiesen. Werden sie zu früh kastriert, drohen oftmals schon im mittleren Hundealter erhebliche Gelenkprobleme, die zumindest anteilig durch die zu frühe Kastration verursacht werden können.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Beagle:
- Rüde: nach 11 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Berner Sennenhund kastrieren
Berner Sennenhunde zählen zu den Hunderassen, die zumindest statistisch erhebliche Nachteile einer Kastration haben könnten. Das verdeutlicht die Analyse der Wissenschaftler im Hinblick auf Gelenkerkrankungen: Kastrierte Rüden mit einem Kastrationsalter unter 2 Jahren, zeigten ein 6-mal so hohes Risiko für diverse Gelenkerkrankungen, wie beispielsweise HD/ED.
Die Empfehlung lautet daher, männliche Berner Sennenhunde niemals zu früh kastrieren zu lassen. Eine zu frühe Kastration (vor dem 2. Lebensjahr) kann die Wahrscheinlichkeit von Gelenkerkrankungen erheblich steigern. Hündinnen vertragen Kastrationen im Gegenzug relativ gut.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Berner Sennenhund:
- Rüde: ab 24 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Saint Bernard / Bernhardiner kastrieren
Sie zählen zu den sehr großen Hunderassen, haben daher auch ein erhöhtes Risiko für Gelenkprobleme. Das wird massiv erhöht, wenn die Tiere zu früh kastriert werden. Sie benötigen all die Hormone, die sie bekommen können, damit ihr großes Skelett adäquat wächst. Das Tumorrisiko steigt bei frühen Kastrationen ebenso an.
Empfehlung daher: Keine Kastration vor dem 2. Lebensjahr, sofern sie sich verhindern lässt.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Bernhardiner:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Border Collie kastrieren
Kastrationen führen beim Border Collie typischerweise zu keinen Gelenkproblemen. Auftreten können die natürlich dennoch, aber eben nicht verursacht durch die Kastration. Auffällig war aber ein stark erhöhtes Risiko für Krebs, speziell bei Tieren die noch vor dem 12. Lebensmonat kastriert wurden. Die Wissenschaftler empfehlen daher eindrücklich, weder weibliche noch männliche Border Collie vor dem 1. Geburtstag kastrieren zu lassen – am besten sogar deutlich danach, sofern überhaupt.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Border Collie:
- Rüde: nach 11 Monaten
- Hündin: nach 11 Monaten
Boston Terrier kastrieren
Boston Terrier sind eine Hunderasse, die nur selten mit erheblichen Gelenkproblemen zu kämpfen hat. Auch die Kastration ändert daran nichts, die Gelenke und das Skelett funktionieren bei dieser Rasse schlichtweg sehr gut. Bei weiblichen Boston Terriers konnte kein erhöhtes Krebsrisiko festgestellt werden, wohl aber bei Rüden – das Krebsrisiko verdoppelt sich für diese nach einer zu frühen Kastration beinahe.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Boston Terrier:
- Rüde: nach 11 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Boxer kastrieren
Besonders auffällig war bei Boxer-Hündinnen, dass sich das Risiko für alle untersuchten Krebsformen deutlich erhöhte. Nach der Kastration war das Tumor- und Krebsrisiko gegenüber nicht-kastrierten Boxer-Hündinnen oftmals sogar doppelt so hoch. Die Wahrscheinlichkeit von künftigen Gelenkproblemen stieg über beide Geschlechter an, aber nur relativ geringfügig.
Bei einer Kastration unter 2 Jahren stieg das Krebsrisiko bei beiden Geschlechtern auf 32% an. Wobei bei 20% der Hündinnen von mehreren Krebsarten betroffen waren.
Kritisch ist daher speziell bei Boxer-Hündinnen das Tumorrisiko. Das sollte vor jeder etwaigen Kastration bedacht werden, vor allem wenn diese nicht medizinisch erforderlich ist.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Boxer:
- Rüde: nach 23 Monaten
- Hündin: nach 23 Monaten
Bulldogge kastrieren
558 Krankenakten von Bulldoggen untersuchten die Wissenschaftler. Dabei zeigte sich, dass sich bei einer Kastration vor dem 6. Lebensmonat die Wahrscheinlichkeit von Gelenkproblemen verdoppelt. Bei zu frühen Kastrationen ist daher größte Vorsicht geboten. Später im Hundeleben zeigten sich keine statistisch relevanten Nachteile, dann können Sie eine Kastration schon ein gutes Stück sorgloser durchführen lassen.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration bei Bulldoggen:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Cavalier King Charles Spaniel kastrieren
Cavalier King Charles Spaniel stachen in der Studie hervor, weil sie Kastrationen generell sehr gut vertragen. Allgemeine Grundregeln zur Kastration und deren Zeitpunkt sind immer zu bedenken. Ein erhöhtes Risiko für Krebs, Inkontinenz oder Gelenkprobleme haben Cavalier King Charles Spaniel nach ihrer Kastration aber nicht.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Cavalier King Charles:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Chihuahua kastrieren
Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Chihuahua. Die Wissenschaftler fanden keine Indizien dafür, dass sich die Wahrscheinlichkeit von Folgeerkrankungen durch die Kastration erhöht. Achten Sie auf die Empfehlungen ihres Tierarztes, generell kann eine Kastration aber bedenkenlos durchgeführt werden – zumindest im Hinblick auf die Folgerisiken.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Chihuahua:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Cocker Spaniel kastrieren
Bei Cocker Spaniel Hunden stieg das Risiko sowohl für Gelenkerkrankungen als auch Krebs an. Hervor stach allen voran die stark erhöhte Krebsrate bei Hündinnen, die zwischen dem 1. und 2. Lebensjahr kastriert wurden. Rüden sollten laut der Studie erst nach Eintritt des 6. Lebensmonats kastriert werden, besser später. Bei Hündinnen ist zu überlegen, ob mindestens in den ersten zwei Lebensjahren auf eine Kastration vollständig verzichtet wird.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Cocker Spaniel:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 23 Monaten
Collie kastrieren
Collie-Rüden zeigten sich generell relativ unempfindlich gegenüber der Kastration. Ein kleiner Anstieg konnte zwar erfasst werden, dient in diesem Fall aber noch nicht als eindeutiger wissenschaftlicher Beleg. Anders sieht es bei Collie-Hündinnen aus, die ein erhöhtes Krebsrisiko auf 40% hatten, wenn sie in den ersten 6 Monaten kastriert wurden. Bei Collie-Hündinnen, die zwischen dem 6. bis 11. Lebensmonat kastriert wurden, gab es einen erhöhten Anstieg von Harninkontinenz (13%). Daher sollte die Kastration, sofern kein Weg daran vorbeiführt, möglichst spät erfolgen.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Collie:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 11 Monaten
Corgi kastrieren
Corgi-Hunde haben bereits eine genetische Veranlagung für Bandscheibenprobleme, die bei frühen Kastrationen (unter 6 Monate) weiter verschärft wurde. Das Risiko von Beschwerden der Bandscheibe stieg beim Corgi-Rüden von 3 % (nicht kastriert) auf satte 18 % (kastriert) an. Ein erhöhtes Krebsrisiko ließ sich aber nicht belegen. Corgi-Rüden sollten möglichst spät, wenn überhaupt, kastriert werden.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Corgi:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Dachshund / Dackel kastrieren
Dackel haben ein massiv erhöhtes Risiko für Bandscheibenvorfälle und ganzheitliche Degenerationen der Bandscheibe – die Kastration nimmt darauf aber keinen Einfluss. Weder ließ sich im Hinblick auf die Gelenke noch Krebsarten oder Inkontinenz ein Anstieg des Risikos feststellen. Sie sollten aber darauf achten, dass potenziell vermeidbare Operationen wie Kastrationen nicht mit medizinisch notwendigen Behandlungen wie denen der Bandscheibe kollidieren.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Dachshund / Dackel:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Dobermann / Pinscher kastrieren
Dobermann-Rüden vertragen Kastrationen generell sehr gut. Bei Weibchen ist das Risiko deutlich höher. Sie zeigen nach der Kastration etwas mehr Gelenkprobleme als vorher, aber nicht in großem Umfang. Der Hauptnachteil bei Dobermann-Hündinnen ist die Inkontinenz: Das Risiko für eine Harninkontinenz ist nach der Kastration deutlich erhöht und steigert sich noch weiter, wenn die Hündinnen zu früh kastriert werden.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Dobermann / Pinscher:
- Rüde: gar nicht
- Hündin: nach 23 Monaten
English Springer Spaniel kastrieren
Die gute Nachricht: Kein erhöhtes Gelenk- oder Krebsrisiko beim English Springer Spaniel, unabhängig vom Geschlecht. Bei Hündinnen und einer Kastration vor dem 1. vollendeten Lebensjahr, steigt das Risiko für Harninkontinenz. Sie sollten daher nicht vor dem ersten Lebensjahr, am besten erst nach dem zweiten Lebensjahr (oder gar nicht) kastriert werden.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim English Springer Spaniel:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 11 Monaten
Deutscher Schäferhund kastrieren
Deutsche Schäferhunde haben viele Nachteile bei einer Kastration. Die Wahrscheinlichkeit von Gelenkerkrankungen erhöht sich massiv. Bei nicht kastrierten Schäferhunden beträgt sie 1 bis 2 %, nach der Kastration 6 bis 7 %. Die Wahrscheinlichkeit einer Hüftdysplasie steigert sich ebenso erheblich. Selbiges gilt für das Risiko einer Inkontinenz bei Hündinnen.
Die Wissenschaftler empfehlen daher, Deutsche Schäferhunde pauschal nicht vor dem 2. Lebensjahr kastrieren zu lassen. Umso früher die Hunde kastriert werden, desto weiter steigt das Risiko für Spätfolgen noch an.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Deutschen Schäferhund:
- Rüde: nach 23 Monaten
- Hündin: nach 23 Monaten
Golden Retriever kastrieren
Beim Golden Retriever war das Risiko nach einer Kastration für Kreuzbandrisse, Lymphome und Hämangiosarkom erhöht. Stark erhöht ist es speziell für Golden Retriever Hündinnen.
Eine zu frühe Kastration ist beim Golden Retriever unbedingt zu vermeiden, die Nachteile dieser wären potenziell schwerwiegend. Speziell bei Hündinnen müssen Sie noch genauer abwägen, ob eine Kastration überhaupt in Frage kommt.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Golden Retriever:
- Rüde: nach 11 Monaten
- Hündin: gar nicht
Great Dane/Deutsche Dogge kastrieren
Gelenkprobleme plagen die Deutsche Dogge sowieso schon, durch eine sehr frühe Kastration (unter 6 oder unter 12 Monate) wird dieses Problem noch weiter verschärft. Selbiges gilt für die Wahrscheinlichkeit eines Tumors: Great Danes bekommen statistisch relativ oft Tumore, durch eine frühe Kastration dann noch häufiger. Daher sollte eine Kastration im Idealfall gar nicht oder möglichst spät, beispielsweise ab dem 2. Lebensjahr, erfolgen.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration bei Great Dane:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Irischer Wolfshund kastrieren
Irische Wolfshunde werden überdurchschnittlich oft schwer krank, beispielsweise durch Krebs. Eine Kastration ist bei dieser Hunderasse immer abzuwägen, denn das Risiko für Schwersterkrankungen steigert sich noch weiter. Im Idealfall werden diese Hunde nicht kastriert, eine Frühkastration sollte nur als lebensrettende Maßnahme in Erwägung gezogen werden.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Irischen Wolfshund:
- Rüde: nach 23 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Jack-Russell Terrier kastrieren
Sofern Sie Ihren Jack Russell Terrier kastrieren lassen möchten, können Sie das relativ unbesorgt. Komplikationen kann es bei OP-Eingriffen immer geben, aber Jack Russell Terrier haben keinerlei relevantes erhöhtes Risiko für geprüfte Erkrankungen nach einer Kastration.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Jack-Russel Terrier:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Labrador Retriever kastrieren
Eine frühe Kastration steigert beim Labrador Retriever eindeutig das Risiko für Gelenkerkrankungen wie die Hüft- und Ellenbogendysplasie. Außerdem können statistisch häufiger Kreuzbandrisse auftreten. Das Krebsrisiko ist moderat erhöht, sofern das Tier vor seinem 1. Geburtstag kastriert wird.
Warum? Weil der Labrador ein „Spätentwickler“ ist. Dadurch ist er noch stärker auf die Hormone angewiesen, die am Skelettaufbau beteiligt sind. Die Empfehlung wäre daher, Labrador Retriever nicht in den ersten 12 Monaten kastrieren zu lassen.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Labrador:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 11 Monaten
Malteser kastrieren
Kastrationen führen zu keinem statistisch relevanten erhöhten Risiko für Gelenkprobleme oder Krebserkrankungen. Lediglich die Wahrscheinlichkeit einer Inkontinenz bei Malteser-Hündinnen steigt geringfügig an. Insgesamt vertragen die Malteser Kastrationen aber sehr gut.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Malteser:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Pug / Mops kastrieren
Der Mops hat, da er zu den brachyzephalen Rassen gehört, zwar mit einigen rassetypischen Erkrankungen zu kämpfen, Kastrationen sind meist aber keine Belastung. Eine Zunahme von Gelenk- oder Krebserkrankungen ist nicht zu erwarten. Die Harninkontinenz-Wahrscheinlichkeit steigt bei Mops-Hündinnen durch die Kastration aber sehr leicht an.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Mops:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Pomeranian / Zwergspitz kastrieren
Zwergspitz-Hunde vertragen Kastrationen laut der Studie ebenfalls sehr gut, es gibt kein relevant erhöhtes Risiko danach für Krebs oder Gelenkprobleme. Bei Hündinnen ist ein Nachteil, dass sich das Inkontinenzrisiko auf niedrigem Niveau steigert. Ansonsten ist die Kastration normalerweise unkritisch.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Pomeranian:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Pudel, Pudel (Miniature) und Pudel (Toy) kastrieren
Die drei Pudel-Rassen betrachtet die Studie separat. Auffällig ist hier: Je größer der Pudel (Standard-Pudel), desto höher das Risiko für Gelenkerkrankungen nach der Kastration. Miniature- und Toy-Pudel sind dagegen weniger anfällig. Einige bestimmte Pudelrassen könnten ein leicht erhöhtes Tumorrisiko haben.
Die Empfehlung lautet daher: Beim Standard-Pudel ist allen voran bei einer Frühkastration Vorsicht geboten. Denn bei Rüden, die im Alter von 1 Jahr kastriert wurden, stieg das Auftreten von einem oder mehreren Krebsarten signifikant auf 27%. Bei Miniatur- und Toy-Pudel ist die Kastration generell eher nicht kritisch.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Toy Pudel:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Miniature Pudel:
- Rüde: nach 11 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Standard Pudel:
- Rüde: nach 23 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Rottweiler kastrieren
Rottweiler sind anfällig für Nachteile nach einer Kastration. Die Wahrscheinlichkeit von Osteosarkom ist nach der Kastration massiv erhöht, auch andere Tumore treten statistisch dann öfter auf. Gelenkprobleme können durch die Kastration ebenso häufiger hervorgerufen werden. Teilweise verdoppelt oder verdreifacht sich das Risiko von Gelenkbeschwerden sogar.
Die Empfehlung der Wissenschaftler lautet daher: Keine Kastration vor dem 12. Monat, am besten nicht einmal vor dem 24. Lebensmonat. Noch besser ist, wenn diese Hunde ohne Kastration auskommen. Die potenziellen Nachteile sind durchaus nicht zu vernachlässigen.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Rottweiler:
- Rüde: nach 11 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Shetland Sheepdog kastrieren
Die Krebswahrscheinlichkeit steigert sich durch die Kastration nicht. Häufigere Gelenkbeschwerden können ein Nachteil sein, bei Hündinnen wird eine Inkontinenz geringfügig wahrscheinlicher. Am besten daher erst nach dem 1. Geburtstag des Vierbeiners kastrieren lassen.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Shetland Sheepdog:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 23 Monaten
Shih Tzu kastrieren
Kastrationen sind beim Shih Tzu generell unbedenklich. Bei Hündinnen könnte es häufiger zu einer Inkontinenz kommen, das Risiko ist aber wirklich nur minimal erhöht und statistisch kaum relevant.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Shih Tzu:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 23 Monaten
West Highland White / Westie kastrieren
Westies zeigten in ihrem Krankheitsprofil nur geringfügige Veränderungen durch eine Kastration. Das Risiko einzelner Tumorgattungen stieg etwas an, aber eher im überschaubaren Rahmen. Eine Kastration ist auch vor dem 12. Monat vertretbar. Vorsicht ist geboten, wenn das Muttertier bereits Tumore hatte.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim West Highland Terrier:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Yorkshire Terrier kastrieren
Yorkshire Terrier verkraften Kastrationen erneut sehr gut. Die Hunde gelten generell als sehr robust, daran ändert auch eine Kastration nichts. Bei Hündinnen steigert sich minimal das Inkontinenzrisiko, aber sonst gab es keine nennenswerten Auffälligen im Hinblick auf Gelenk- oder Krebserkrankungen.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Yorkshire-Terrier:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Zwergschnauzer kastrieren
Zwergschnauzer haben nur selten mit den Gelenken zu kämpfen, eine Kastration verändert daran nichts. Nachteilig könnte die aber sein, weil sich das Risiko für bestimmte Tumore zumindest moderat erhöht. Bei einer guten Zucht und einwandfreien Gesundheit sind Frühkastrationen möglich. Traten in der Erblinie bereits Tumore auf, sollte die Kastration möglichst spät erfolgen.
Die offizielle Empfehlung zum Mindestalter einer Kastration beim Zwergschnauzer:
- Rüde: nach 6 Monaten
- Hündin: nach 6 Monaten + 3
Sie sehen also: Einen Hund zu kastrieren kann Nachteile haben, sehr erhebliche Nachteile sogar – oder aber die Kastration ist perspektivisch gesundheitlich quasi unbedenklich. Es kommt, wie so oft bei Hunden, auf ihre Rasse, das Geschlecht und den Kastrationszeitpunkt (je später, desto besser) an.
Offizielle Tabelle zum Mindestalter der verschiedenen Hunderassen bei Kastrationen

