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Kastration Hund – mögliche Folgen und Komplikationen

Die Kastration vom Hund ist ein Routineeingriff. Trotzdem gilt: Jede Operation kann Komplikationen mit sich bringen, ebenso hat jede Vollnarkose Risiken. Beides ist schlichtweg nie zu 100 % auszuschließen. Das gilt sowohl unmittelbar für den Eingriff als auch die nachfolgende Genesungszeit. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen gering ist, sollten Sie sich dagegen absichern. Mit unserem Ratgeber möchten wir deshalb Klarheit schaffen.

Ein Blick in die Wissenschaft: Was verraten uns Studien zu Komplikationen bei Kastrationen?

Das RCVS Knowledge Audit ist, was Komplikationen bei Kastrationen anbelangt, die größte verfügbare Datenbank in der westlichen Welt. Mehr als 30.000 Kastrationsfälle wurden da erfasst. Praktisch ist außerdem, dass die Studie eine Unterscheidung zwischen Kastrationen bei Rüden und solchen bei Hündinnen vornimmt.

Die wichtigsten Erkenntnisse haben wir für Sie zusammengefasst:

  • Bei Rüden traten in 78,6 % der Eingriffe keinerlei Komplikationen während oder nach der Kastration auf.
  • Bei Hündinnen kam es in 73,7 % der Fälle zu keinen Komplikationen.
  • 11,4 % der Komplikationen bei Rüden waren so leicht, dass sie keine weiterführende Behandlung erforderlich machten. Bei Hündinnen waren es 13,2 %.
  • Bei 0,7 % der erfassten Kastrationen waren die Komplikationen bei Rüden so schwerwiegend, dass eine Not-OP stattfinden musste. Bei Hündinnen kam es dazu in 1,1 % der Fälle.

Gute Nachrichten: Zu Todesfällen kommt es bei einer Kastration ausgesprochen selten, diese bilden wirklich die große Ausnahme. Diese Todesfälle waren zudem meistens auf bereits erkrankte oder anderweitig vorbelastete Tiere zurückzuführen. Der Statistik nach stirbt 1 von 1.000 Rüden bei der Kastration, bei Hündinnen sind es 2 von 1.000 Tieren.


Komplikationen während der Operation bei einer Kastration vom Hund

Drei große Risiken gibt es bei einer Kastration beim Hund:

1. Narkoserisiko: Jede Vollnarkose ist ein Risiko, beim Tier ebenso wie beim Menschen. Das Risiko steigt mit dem Alter des Tieres an, ebenso wenn dieses gesundheitlich vorbelastet ist. Außerdem gibt es bestimmte Rassen, die generell ein höheres Narkoserisiko haben. Das sind allen voran die brachyzephalen Rassen, unter anderem der Mops und die Französische Bulldogge.

2. Blutungen: Das Risiko ist bei Rüden dafür nur ausgesprochen gering. Bei Hündinnen ist die Kastration ein größerer Eingriff mit Bauchschnitt, daher besteht dort ein höheres Blutungsrisiko.

3. Organverletzungen: Beim Rüden sind diese sehr selten, da die Hoden gut erreichbar sind. Bei Hündinnen ist das Risiko deutlich erhöht, denn Eierstöcke und gegebenenfalls die Gebärmutter müssen aus dem Bauchraum herausgeholt werden. Dabei kann es zu Verletzungen umliegender Organe kommen. Insgesamt sind diese Komplikationen aber sehr selten.

Zu welchen Kastrations-Komplikationen kann es direkt nach der OP kommen?

Diese Komplikationen betreffen vor allem die ersten 96 Stunden nach der erfolgten Kastration beim Hund. Auch hier gilt, wie bei allen Folgen und Komplikationen: Hündinnen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, da der Eingriff größer und komplexer als bei männlichen Hunden ist.

Denkbar sind unter anderem:

  • Wundheilungsstörungen, zum Beispiel wenn die Naht einreißt oder der Hund sie mechanisch verletzt
  • Infektionen, sofern Keime und Bakterien direkt an die Wunde oder durch die Naht gelangen, dann kommt es zu Eiterbildung, Rötungen, Schmerzen und Schwellungen
  • Hämatome, die normalerweise von selbst abheilen. Das sind schlichtweg etwas schmerzende Blutergüsse.
  • Nahtdehiszenz ist das zunächst größte Risiko. In diesem Fall löst sich die Naht so stark, dass die noch unverheilte Wunde wieder aufgeht. Das ist ein absoluter Notfall! Es gilt keine Zeit zu verlieren, denn das Tier muss nun sofort zum Tierarzt.

Mehr Nebenwirkung als Komplikation sind die Schmerzen. Jede Operation tut natürlich weh, anders als wir Menschen versteht der Vierbeiner zudem nicht, warum er da nun Schmerzen hat und was überhaupt passiert ist. Das Tier sollte aber nach der Operation keine großen Schmerzen haben, genau das sollen die Schmerzmittel verhindern. Verweigert das Tier die Futteraufnahme oder verhält sich anderweitig komisch, benötigt es mitunter ein stärkeres Schmerzmittel für die ersten Tage. Auch hier sollte idealerweise sehr zeitnah ein Tierarzt aufgesucht werden, damit der Hund nicht leiden muss.

Welche Frühfolgen sind nach einer Kastration beim Hund zu erwarten?

Zu diesem Zeitpunkt hat der Hund die Kastration und damit den operativen Eingriff schon überstanden. Er befindet sich nun in der verlängerten Genesungsphase, ist prinzipiell aber längst über den Berg. Trotzdem kann es noch zu Veränderungen und Folgen kommen.

In den ersten Wochen und Monaten können diese Frühfolgen auftreten:

  • Aufgrund der Kastration verändert sich die Hormonbalance, was zu einer Gewichtszunahme führen kann.
  • Das Fell kann sich verändern, mitunter wird es etwas weicher, wolliger oder voluminöser.
  • Hündinnen haben in den ersten 3 Jahren ein erhöhtes Risiko für eine Harninkontinenz. Sie lassen also unfreiwillig Wasser. Das kann sich mit der Zeit wieder legen.

Außerdem werden Sie womöglich, garantiert ist das aber nicht, einige Verhaltensveränderungen aufschnappen. Rüden könnten weniger dominant oder aggressiv werden. Hündinnen haben natürlich kein Läufigkeitsverhalten mehr, was ja auch so zu erwarten ist. Generell neigen Hunde nach der Kastration eher zu einer reduzierten Bewegungsaktivität im Vergleich zu vorher.

Welche langfristigen Folgen können nach einer Kastration vom Hund auftreten?

Selbst mehrere Jahre nach der erfolgten Kastration beim Hund kann es noch zu Folgen kommen, die direkt auf die Kastration zurückzuführen sind. Manchmal ist aber nicht immer ganz eindeutig, ob nun tatsächlich die Kastration dafür verantwortlich ist. Einige Folgen können zwar nach einer Kastration auftreten, sie können sich genauso gut aber einfach alters- oder krankheitsbedingt entwickeln.

Im Hinterkopf können Sie dazu diese Spätfolgen behalten:

  • Positiv: Nach der Kastration reduziert sich das Risiko für Gebärmutter- und Hodenkrebs.
  • Negativ: Die Wahrscheinlichkeit für orthopädische Probleme steigt an. Das deshalb, weil durch die Kastration Hormone fehlen, die für das Knochenwachstum essenziell sind. Deshalb sollten Hunde auch niemals zu früh kastriert werden. Folgerichtig verweigern Tierärzte Kastrationen bei zu jungen Tieren.
  • Ebenfalls negativ: Die Wahrscheinlichkeit für Diabetes und eine Schilddrüsenunterfunktion steigt, aufgrund des veränderten Hormonhaushalts, ebenfalls geringfügig an.


Es kam zu Komplikationen, Nebenwirkungen oder Folgen: Wann müssen Sie reagieren?

Hier reagieren Sie sofort, indem Sie unmittelbar einen Tierarzt aufsuchen:

  • die Naht löste sich ganz oder teilweise
  • die Wunde eitert oder ist stark geschwollen
  • der Hund leidet an Fieber oder wirkt apathisch
  • Sie stellen Nachblutungen oder einen süßlich-ekligen Geruch aus der Wunde fest
  • der Hund leidet offensichtlich an zu starken Schmerzen
Sie sollten zeitnah einen Termin vereinbaren oder zeitnah den Tierarzt aufsuchen:

  • der Hund wurde im Vergleich zu vorher verhaltensauffällig
  • Sie haben das Gefühl, dass das Wasserlassen oder der Stuhlgang nicht mehr ganz einwandfrei funktionieren
  • der Hund entwickelte eine Inkontinenz
  • der Hund legt plötzlich deutlich Gewicht zu

Weitere Tipps für die Zeit nach der Kastration beim Hund

Lesen Sie aufmerksam das Merkblatt, das Ihnen der Tierarzt mitgibt. Da stehen wichtige Informationen zur Nachsorge, außerdem wird der Tierarzt Ihnen Tipps geben, wie Sie die postoperative Zeit etwas angenehmer gestalten können.

Halten Sie sich generell an diese Anweisungen, allen voran was die Schmerzmittel- oder Antibiotikagabe anbelangt. Davon ist ohne vorherige Rückfrage niemals abzuweichen! Lassen Sie das Tier außerdem den Body oder die Halskrause tragen. Beide legt der Tierarzt nicht grundlos an. Beides ist ungemütlich, Ihr Hund wird sowohl einen Body als auch eine Halskrause hassen. Sie sind aber schlicht notwendig, damit das Tier nicht versehentlich die OP-Naht infiziert oder die Wunde aufreißt.

Die ersten 10 bis 14 Tage sollte der Hund nur an der Leine geführt werden. Keine wilde Herumtollerei, kein Wälzen im Matsch, nichts was den Körper oder die Naht belastet. Die Wunde ist mindestens einmal täglich zu kontrollieren. Kommt Ihnen da etwas komisch vor, kontaktieren Sie Ihren Tierarzt.

Die ersten Tage sind die Fütterungshinweise des Tierarztes zu berücksichtigen. Generell sollte das Tier lieber etwas leichter essen. Übrigens auch nach der Kastration: Der Stoffwechsel ist durch den veränderten Hormonhaushalt nicht mehr so aktiv wie vorher.

Finanzielle Absicherung bei der Kastration beim Hund

Medizinisch notwendige Kastrationen beim Hund werden von Hundeversicherungen üblicherweise übernommen. Das hat gleich zwei Vorteile: Sie müssen die Kosten für den eigentlichen Eingriff nicht selbst stemmen, zudem springt die Versicherung ein, wenn es zu Komplikationen kam. So schützen Sie sich vor potenziell hohen Tierarztrechnungen und können sich voll und ganz der Genesung Ihres Schatzes widmen. Vergleichen Sie Ihre Hundeversicherung deshalb am besten noch heute – auch im Hinblick auf alle anderen Erkrankungen und Eingriffe, die in einem Hundeleben so auftreten könnten.

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