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Kastration Hund – OP Verfahren

Die Kastration beim Hund gehört für erfahrene Tierärzte zu den Routine-Eingriffen. Dennoch ist es verständlich, dass Sie aufgrund des bevorstehenden Eingriffes mitunter etwas aufgewühlt sind oder schlicht aus Neugier wissen möchten, was da im OP-Saal eigentlich genau mit Ihrem Schatz gemacht wird.

Daher stellen wir Ihnen heute die OP-Verfahren zur Kastration beim Hund im Detail vor – und zeigen auf, welche Auswahlmöglichkeiten Sie mitunter haben könnten.

Welche OP-Verfahren zur Kastration beim Hund gibt es?

Der Tierarzt kann entweder im „offenen“ oder im minimal-invasiven Verfahren eine Kastration vornehmen. So viel schon einmal vorweg: Höchstwahrscheinlich wird Ihre Tierarztpraxis das offene Standardverfahren wählen, denn die minimal-invasive Operationstechnik wird in Deutschland zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht flächendeckend angeboten.

1. Offene Kastration – Standardverfahren

Die offene Kastration wird von den allermeisten Tierärzten durchgeführt. Im Zuge dieser erfolgt beim Rüden ein Hautschnitt direkt am Hodensack oder minimal davor, anschließend wird der Hoden entnommen. Bei der Hündin erfolgt ein Bauchschnitt, anschließend werden mindestens die Eierstöcke (Ovarektomie) und mitunter zusätzlich noch die Gebärmutter (Ovariohysterektomie) entnommen.

2. Laparoskopische bzw. endoskopische Kastration – minimal-invasives Verfahren

Bei dieser modernen Operationstechnik fallen die tatsächlichen Hautschnitte deutlich kleiner aus. Dadurch ist das Verfahren schonender, birgt ein geringeres Komplikationsrisiko und beschleunigt die anschließende Genesung. Teurer als das Standardverfahren ist es aber auch.

Bei der Hündin werden im Zuge der endoskopischen Kastration im Regelfall nur die Eierstöcke entfernt. Ob eine Entfernung der Gebärmutter so möglich ist, ist individuell und hängt unter anderem von der Größe und Anatomie des Hundes ab. Soll die Gebärmutter ebenfalls entfernt werden, ist auch eine Anwendung des Standardverfahrens denkbar.

Bei Rüden kann das Verfahren genutzt werden, wird es aber normalerweise nicht. Die Kastration beim männlichen Hund ist ein ziemlich einfacher und schneller Eingriff, daher bietet das minimal-invasive Verfahren quasi keine nennenswerten Vorteile gegenüber dem Standardverfahren.


So läuft eine offene Kastration nach dem Standardverfahren ab

Da sich die Anatomie zwischen weiblichen und männlichen Hunden offensichtlich unterscheidet, muss das offene Standardverfahren entsprechend dem Geschlecht des Hundes ausgerichtet werden. Nachfolgend geben wir Ihnen einen Einblick in das OP-Verfahren zur Kastration beim Rüden ebenso wie bei Hündinnen.

Klassische Kastration beim Rüden

1. Vorbereitung

Der Rüde bekommt ein Beruhigungsmittel, anschließend wird er in Vollnarkose gelegt. Hodensack und Bereich drumherum werden rasiert, desinfiziert und steril abgedeckt.

2. Die Operation beginnt

Meistens erfolgt direkt am Hodensack ein Schnitt von ungefähr zwei bis drei Zentimeter Länge. Durch den Schnitt lässt sich der Hoden nach außen verlagern, außerdem offenbart sich ein Blick auf den Samenstrang sowie die umliegenden Blutgefäße.

Der Samenstrang wird nun zuerst abgebunden, was im Fachjargon „Ligatur“ heißt. Anschließend wird der Hoden oberhalb der Ligatur abgetrennt. Derselbe Prozess wird dann beim zweiten Hoden wiederholt.

3. Wundverschluss

Die inneren Schichten werden mit selbstauflösenden Nähten verschlossen. Für die Haut genügt normalerweise ein Einzelstich. Anschließend erfolgt eine sterile Versorgung der nun schon vernähten Wunde.

Wichtig zu wissen: Der eben dargestellte Ablauf gilt für einen gesunden Hund. Sofern eine Kastration beim Hund durchgeführt wird, der Kryptorchismus aufweist, ist das Verfahren weitaus aufwändiger und komplizierter. Kryptorchismus bezeichnet eine anatomische Fehlbildung, bei der sich der Hoden nicht im Hodensack befindet, sondern im Bauchraum. Dann ist zwangsläufig ein Bauchschnitt notwendig und die Kastration beim Hund ähnelt stärker dem Verfahren bei der Hündin.

Klassische Kastration bei der Hündin

1. Vorbereitung

Das Tier erhält ein Beruhigungsmittel und wird in eine starke Vollnarkose gelegt. Der Bauch wird rasiert, normalerweise vom Brustbein bis hin zu den Hinterläufen. Die Hündin wird auf den Rücken gelagert und fixiert, anschließend erfolgt eine sterile Abdeckung.

2. Die Operation beginnt

Nun wird ein Mittellinien-Schnitt entlang des Bauchraums von ungefähr 5 bis 10 Zentimeter Länge gesetzt. Die Bauchhöhle wird vorsichtig gespreizt, wodurch die Innereien sichtbar werden. Der Chirurg wird im Bauch nun nach den Eierstöcken suchen. Umliegende Blutgefäße werden unter Einsatz von Klammern und Ligaturen verschlossen, trotzdem werden zwangsläufig auch Gefäße verletzt werden. Moderate Blutungen sind also zu erwarten.

Die lokalisierten Eierstöcke werden nun entfernt. Sofern auch noch die Gebärmutter operativ entfernt werden soll, findet das direkt im Anschluss statt. Beides wird durch den offenen und gespreizten Bauchraum entnommen.

3. Wundverschluss

Alle verletzten Bereiche des Tieres müssen sorgfältig verschlossen werden, zuvor wurden Blutungen im Innenbereich des Bauchraums gestillt. Zum Wundverschluss wird mehrschichtig genäht: Bauchwand, Unterhaut und danach die Haut.

Die klassische Kastration beim weiblichen Hund ist komplexer und zeitintensiver, daher übrigens auch teurer. Während die Kastration beim Hund etwa 20 bis 30 Minuten dauert, sind bei Hündinnen 45 bis 90 Minuten einzuplanen.

Der Ablauf der laparoskopischen Kastration im Detail erklärt

Wie bereits eingangs dargestellt: Das minimal-invasive Verfahren ist bei einem gesunden Rüden mit außenliegenden Hoden wenig sinnvoll, es bietet schlichtweg keinen Vorteil gegenüber der offenen Kastration. Daher kommt das minimal-invasive Verfahren eigentlich nur bei der Hündin oder bei Rüden mit im Bauchraum liegenden Hoden in Frage.

Die Vorbereitungsmaßnahmen sind identisch gegenüber dem Standardverfahren. Bereits im nächsten Schritt zeigen sich aber deutliche Unterschiede:

  • Es werden 2 bis 3 kleine Hautschnitte von etwa 0,5 bis 1 Zentimeter gesetzt, danach wird eine Hohlnadel eingeführt.
  • Durch die Hohlnadel werden später sowohl die Kamera als auch die zur Operation notwendigen Instrumente eingeführt.
  • Der Bauchraum wird nun mit Kohlendioxid gefüllt, dadurch wird der Bauch größer und der Operateur hat eine bessere Sicht.
  • Die Kamera wird eingeführt und die Eierstöcke lokalisiert.
  • Endoskopische Instrumente verschließen die Blutgefäße und lösen die Eierstöcke.
  • Die Eierstöcke werden durch die Hohlnadel nach außen transportiert.
  • Das Gas im Bauchraum wird wieder abgelassen.
  • Die Hautschnitte werden entweder mit 1 bis 2 Stichen verschlossen oder einfach mit Gewebekleber verklebt.

Welche Vorteile und Nachteile hat die Kastration beim Hund nach Standardverfahren?

Zu den Vorteilen zählen:

  • sie ist überall verfügbar, jeder chirurgisch ausgebildete Tierarzt beherrscht sie
  • der Eingriff ist günstiger als das minimal-invasive Verfahren
  • Tierversicherungen zahlen bei medizinisch notwendiger Kastration meistens nur das Standardverfahren

Was sind die Nachteile?

  • speziell bei der Hündin ist die Belastung durch das Standardverfahren größer
  • nach der OP sind mehr Schmerzen zu erwarten
  • es gibt insgesamt ein höheres Risiko für Wundkomplikationen

Was sind die Vor- und Nachteile der laparoskopischen Kastration?

Die Vorteile ergeben sich im direkten Vergleich zum Standardverfahren aus dessen Nachteilen.

Eine minimal-invasive Kastration bringt kleinere Wunden mit sich, daher weniger Schmerzen und eine raschere Genesung. Das Infektionsrisiko ist ebenfalls geringer. Speziell sehr aktive Hunde haben den Vorteil, dass sie deutlich schneller, oftmals schon nach etwa 3 Tagen, wieder herumtollen können.

Die Nachteile sind ebenfalls offenkundig: Das Verfahren ist komplex, die nötige Ausstattung dafür teuer. Daher wird die laparoskopische Kastration nicht von allen Tierärzten angeboten. Außerdem ist sie im Vergleich zum Standardverfahren etwa 200 bis 400 Euro teurer. Hundeversicherungen übernehmen das moderne Verfahren meistens nicht.


Kostenvergleich: Kastration beim Hund nach Standard- und nach minimal-invasiven Verfahren

Tierpraxen und -kliniken rechnen nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ab. Trotzdem kann es zu Unterschieden kommen, beispielsweise je nach Region, angewandtem Satz und dem individuellen Zustand des Tieres. Die nachfolgenden Angaben dienen Ihnen daher nur zur Orientierung. Die zu erwartenden Kosten der Kastration beim Hund können Sie vorab bei Ihrem behandelnden Tierarzt erfragen.

Kosten klassische/offene Kastration:

  • etwa 150 bis 350 Euro bei Rüden
  • circa 350 bis 600 Euro bei Hündinnen
  • etwa 400 bis 800 Euro sofern Rüden innenliegende Hoden haben
Kosten minimal-invasive Kastration:

  • etwa 500 bis 1.000 Euro bei Hündinnen
  • etwa 600 bis 1.100 Euro bei Rüden mit innenliegenden Hoden

Kostenübernahme durch eine Hundeversicherung: Das müssen Sie wissen

Für eine Kostenübernahme der Kastration beim Hund kommen sowohl Voll-Hundekrankenversicherungen als auch Hunde-OP-Versicherungen in Frage. Beide tragen die Kosten i.d.R. oftmals nur, wenn es sich um eine medizinisch notwendige Kastration handelt. Sofern die Kastration freiwillig erfolgt, beispielsweise um eine ungewollte Fortpflanzung zu verhindern, ist mit keiner Kostenübernahme zu rechnen. Leistungsstarke Tarife bieten aber mitunter einen pauschalen Kastrations-Zuschuss dafür an.

Die oben genannten Kosten zur Kastration beim Hund können zudem steigen, sofern eine medizinische Notwendigkeit vorliegt. Eine Kastration mit Gebärmutterentfernung aufgrund einer lebensbedrohlichen Pyometra wird beispielsweise teurer als eine „gewöhnliche“ Kastration sein.

Unser Tipp daher: Sichern Sie sich und Ihren Vierbeiner frühzeitig ab. Mit einer Hundeversicherung inkl. Kastration bekommen Sie nicht „nur“ die Kosten für die Kastration selbst erstattet, auch bei anderen Erkrankungen und operativen Eingriffen sind Sie und Ihre Haushaltskasse geschützt. Vergleichen Sie passende Hundeversicherungen mit Kastration am besten gleich hier kostenlos!

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